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Editorial 11.2007

JRuby – Lieblingskind von Sun

Als Anfang 2001 Microsoft die erste Version des .NET-Frameworks veröffentlichte, war dies unübersehbar eine Antwort auf Java. Bis in technologische Details hinein konnten damals schon viele Experten entdecken: die Redmonder sind gute Java-Kenner. Bei allen Gemeinsamkeiten jedoch haben die Microsoft-Entwickler versucht, auch aus den Fehlern der Java-Gemeinde zu lernen und einige Details besser zu lösen, als dies im zähen demokratischen Prozess der Java-Welt möglich ist.

Augenfälligstes Merkmal dieser Bemühungen ist die Unterstützung mehrerer Programmiersprachen durch das .NET-Framework. Anders als die Java-Strategen haben die Microsoftler nämlich von Anfang an eine klare Trennung von Sprache und Plattform im Sinn gehabt. So ließ sich das Framework schon damals in drei Sprachen – Visual Basic, C# und C++ – vom Programmierer „bespielen“. Interessant dabei: Neueinsteiger haben sich bevorzugt mit dem neu geschaffenen C# (das bekanntlich auch viele Anleihen aus der Java-Sprache enthält) angefreundet, die Traditionalisten aus dem Microsoft-Umfeld blieben bei Visual Basic und taten sich darüber hinaus insgesamt ungeheuer schwer mit dem Umstieg auf die neue Plattform im Microsoft-Haus.

Der Tiobe-Index (www.tiobe.com) bescheinigt C# indes einen nur geringen Anteil am weltweiten Markt der Programmiersprachen – nur 3,6 Prozent, allerdings mit steigender Tendenz. Visual Basic, die gute Stube der Windows-Programmierer, rangiert dem Index zufolge bei 10,8 Prozent, wohingegen Java mit 21,7 Prozent die Tabelle anführt. Einer der Newcomer mit stark steigender Tendenz ist dabei Ruby (derzeit: 2,0 Prozent) – welches Java demnächst schon ernsthafte Konkurrenz bereiten könnte.

Aber keine Sorge, die Java-Plattform hat sich schon längst geöffnet, seit Anfang des Jahres zählt Groovy zu den offiziellen Sprachen der Java-Welt. Mit JRuby 1.0, kürzlich veröffentlicht, begrüßen wir nun eine weitere Sprache, die das Beste aus anderen Welten in die Java-Plattform bringt und dabei soliden Java-Bytecode erzeugt (Seite 18). So werden wir derzeit Zeuge, wie sich die Java-Plattform zu einem lebendigen Umfeld wandelt, wo mehrere Sprachen für spezialisierte Zwecke bereit stehen (werden).

Übrigens spielt JRuby, als Lieblingskind von Sun Microsystems, eine besondere Rolle. Es stehen stets schon sehr frühzeitig Netbeans-Tools für die Arbeit mit JRuby bereit und auch auf der JavaOne informierte man während einer Keynote recht ausführlich darüber. Und was ist mit Groovy? Die wichtigste Groovy-Veranstaltung während der JavaOne fand in einem Hotel abseits des Moscone Centers statt, Gastgeber war auch nicht Sun Microsystems. Ebenfalls bemerkenswert: Tim Bray (Director Web Technologies bei Sun) sprach in seiner Keynote auf der W-JAX letzten Jahres zwar von vielen neuen Sprachen für die Java-Welt, erwähnte Groovy jedoch mit keiner Silbe.

Eine Erklärung hierfür ist einfach: JRuby orientiert sich stark an den Konzepten von Ruby und ist von Sun dazu auserkoren worden, neue Programmierer für die Java-Plattform anzuwerben. JRuby sagt: „Hey, Ihr könnt nun mit Euren gewohnten Mitteln ohne zusätzlichen Aufwand vollwertige Java-Anwendungen bauen“. Groovy sagt dagegen: „Hallo Java-Entwickler, jetzt haben wir speziell für Dich eine Scriptsprache entwickelt, die Aufgaben einfacher machen wird.“

Wie es weiter geht mit den dynamischen Sprachen und wie diese helfen können, Ihre Arbeit zu vereinfachen, darüber werden wir Sie natürlich in den nächsten Ausgaben des Java Magazins weiter informieren.

Viel Spaß bei der Lektüre des Java Magazins!

Sebastian Meyen
Chefredakteur



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